GestaltWerk

Psychotherapie- Gestalttherapie - Traumatherapie

Aus der Ankündigung des Verlags

Das Buch versucht, den herrschenden Diskurs zur Traumatherapie aufzubrechen. Ziel ist eine Haltung zu entwickeln und verständlich zu machen, welche die Erkenntnisse unterschiedlicher Schulen und Theorien vor dem Hintergrund individueller Biografien zu einer sinnhaften Gestalt werden lassen.
Im Mittelpunkt dieses Buches steht die Arbeit des Neurologen Kurt Goldstein (1878-1965). Sein disziplinübergreifender Ansatz macht ihn bis heute zu einem Vordenker der psychosomatischen Medizin. Die Forschungsarbeit mit hirnverletzten Soldaten des ersten Weltkriegs ließen eine biologisch begründete Anthropologie entwickeln, die sich ins Philosophische hinein entwickelt. Er befasste sich mit dem Leib-Seele-Problem, wie es auch heute wieder von den Neurowissenschaften aufgeworfen wird. Der „naturalistische Kurzschluss“, der heute vielfach in den Neurowissenschaften vorzufinden ist, wurde schon von Goldstein kritisiert und macht sein Denken damit wieder hochaktuell.
Trauma ist für Kurt Goldstein ein existentielles Ereignis, das den Menschen in seinem Sein erschüttert. Nach einem Trauma befinden sich Menschen häufig in existentiellen Krisen, die sich nicht allein im vorherrschenden naturwissenschaftlichen Ursache-Wirkung-Paradigma fassen lassen. Ein Paradigma, das Sinnfragen nicht berücksichtigt. Eben diese Sinnfragen jedoch stellen sich die Betroffenen bei der Verarbeitung traumatischen Erlebens, und deren Ausklammerung behindert die Arbeit am Trauma. Diesen Konflikt nimmt das Buch zum Anlass, den aktuellen klinisch-pragmatischen Trauma-Diskurs im gesellschaftlichen Kontext zu verstehen, ihn kritisch zu beleuchten und ihn zu einer philosophisch-phänomenologischen Sichtweise ins Verhältnis zu setzen.
Der spezifische Beitrag der Gestalttherapie zu diesem Buch ist ihre gesellschaftskritische Haltung, die dem Phänomen des Traumas zusätzlich einen erweiterten Rahmen gibt. Die konzeptionelle Integration somatischer Reaktionsmuster vor dem Hintergrund einer erlebnis- und beziehungsorientierten Haltung sind wesentliche Bestanteile des hier vertretenen Ansatzes und machen ihn in dieser Form eigenständig, aber auch anschlussfähig an andere therapeutische Schulen. Dadurch erweitert sich die Sichtweise auf Trauma, und der Diskurs verschiebt sich – weg von individueller Dysfunktionalität – in Richtung gesellschaftlicher Verursachung und Verantwortung.
Traumatherapeutisches Handeln erhält eine breitere Fundierung und deutlich erweiterte Interventionsmöglichkeiten.
Neben der theoretischen Grundlegung werden Handlungsdimensionen und Handlungsebenen für die praktische Umsetzung entwickelt. Dies wird mit ausführlich kommentierten Fallvignetten beispielhaft umgesetzt, die zahlreiche aus der alltäglichen therapeutischen Praxis kommende Hilfen bieten.
Ein Buch für Therapeuten unterschiedlicher Schule, für Lehrende wie für Lernende.

»Dieses Buch ist jedem zu empfehlen, der an einer kritischen, zugleich vertieften Auseinandersetzung mit der gestalttherapeutischen Grundhaltung interessiert ist. Es folgt nicht dem Mainstream ‚behandlungsorientierter Traumatherapie‘, sondern besinnt sich auf die humanistischen Wurzeln, insbesondere auf Kurt Goldsteins holistisches Verständnis menschlicher Existenz und auf Lore Perls‘ ‚Begegnung an der Grenze‘. Der Autor relativiert die so verbreitete Unterscheidung in krank und gesund, indem er das krankmachende Feld und die damit notwendigerweise entstehende ‚existenzielle Angst‘ hervorhebt. Er betont, dass jede auch noch so problematische Entwicklung zunächst eine kreative Anpassung an das destruktive Feld ist. Das entlastet den traumatisierten Menschen von einer Stigmatisierung und nimmt ihm ein Stück Verantwortung und Bürde für sein Leiden. Es geht dann darum, gemeinsam die zu Grunde liegende existenzielle Angst zu erforschen und wie sie die Kommunikation, Wahrnehmung und Kontaktfähigkeit einschränkt. Um der ‚Katastrophenangst‘ zu entgehen, braucht es den Mut, die im Hier und Jetzt überflutende Angst in erträgliche und bewältigbare Furcht zu verwandeln. Das erfordert eine hochsensible, dialogische Beziehung, in der Betroffene wie Therapeut_innen gleichermaßen involviert und engagiert sind. Das Buch ist ein wunderbares und geistreiches Plädoyer für Therapie auf Augenhöhe. Und es schenkt reichlich praktische Anregungen.« (Peter Toebe, IGW - Institut für Integrative Gestalttherapie Würzburg)

Aus der Ankündigung des Verlags

Traumatische Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen werden in diesem Handbuch in den Kontext schulischer Bildung und Erziehung gestellt. Die inter- und transdisziplinären Beiträge arbeiten traumaspezifisches und differenzsensibles Wissen auf, zeigen wie Vulnerabilität fernab vorherrschender Diagnosen gedacht werden kann und welche Unterstützungsleistungen Kinder und Jugendliche mit traumatischen Erlebnissen im schulischen Alltag erfahren können.

Das Handbuch bietet Orientierung innerhalb der wissenschaftlichen Perspektiven zum Phänomen und zur Politik des Traumas und lädt ein, die Differenzen und Ambivalenzen von Leid in Bildungsprozessen anders zu denken.